#147 - IT-Leiter müssen manchmal Spielverderber sein –Soenneckens IT-Chefin über Governance, Wildwuchs und den Mut zum Machen

Ein KI-Bot baut deine Software nach, nur anhand der Dokumentation. Klingt nach Zukunftsmusik? Für Soennecken war genau das Realität. In dieser insights!-Folge spricht Joubin Rahimi mit IT-Leiterin Claudia Lorenz über den Moment, der alles veränderte, und über Soenneckens mutigen Weg in Richtung Agentic AI, Agentic Commerce und eine neue Art, Software zu denken. Ein Gespräch über Governance, Mut und die Frage, ob der Mittelstand den Zwischenschritt einfach überspringen kann.

Es gibt schon Themen, die sind auch einfach noch unklar. Und da neigen wir ja in Deutschland bekanntermaßen dazu, lieber erstmal nichts zu machen. Und ich glaube, das kann sich keiner mehr leisten. Das ist vorbei. Also egal wo, dann haben wir keine Chance.

Claudia Lorenz IT-Leitung Soennecken

"Der war gar nicht so weit weg" - Wenn deine Doku zur Schwachstelle wird

Angenommen du stellst die Dokumentation deines wichtigsten Softwaresystems öffentlich ins Netz. Damit deine Partner und Kunden jederzeit nachschlagen können. Völlig logisch. Und dann lässt jemand einen KI-Bot über genau diese Doku laufen. Das Ergebnis: Der Bot programmiert dein System ansatzweise nach. Nicht perfekt, aber erschreckend nah dran.

Genau das ist Soennecken passiert. Die Bürohandels-Genossenschaft mit Sitz in Overath, rund 500 angeschlossenen Händlern und einem Großhandels-Umsatz von 200 Mio. Euro hatte die Dokumentation ihres Procurement-Systems So.PROCURE öffentlich zugänglich gemacht. Als das Team testweise einen KI-Bot darauf ansetzte, war das Ergebnis ein Schock. Claudia Lorenz, IT-Leiterin bei Soennecken, bringt es auf den Punkt: Der Bot war wirklich nah dran. Die Konsequenz? Die Doku ging sofort offline.

Was nach einer Anekdote klingt, ist in Wahrheit ein Weckruf. Denn wenn ein frei verfügbarer KI-Bot anhand öffentlicher Dokumentation ein Branchensystem nachbauen kann, dann stellt sich die Frage: Wie sicher ist das, was du über deine Systeme nach außen kommunizierst? Für SAP, Salesforce, Ariba und Co. dürfte diese Frage genauso relevant sein.

Von der Schreibfeder zum Software-Agenten: Wer ist Soennecken?

Wer Soennecken hört, denkt an Flipcharts, Locher und Ringbücher. Und ja, all das gehört zur Geschichte. Schließlich geht der Aktenordner auf Gründer Friedrich Soennecken zurück. Doch die heutige Soennecken eG ist weit mehr als ein Bürobedarf-Anbieter.

Soennecken ist eine Genossenschaft mit rund 500 Mitgliedern, allesamt Bürohändler, die von einem breiten Leistungspaket profitieren: eigene Logistik und Großhandel, IT-Lösungen inklusive Shop-System und Artikeldatenmanagement, elektronische Auftragsabwicklung und ein Zentralregulierungsmodell, das im Prinzip wie ein Bankenmodell funktioniert. Der relevante Großhandels-Umsatz liegt bei rund 200 Mio. Euro, das Zentralregulierungsgeschäft kommt auf weitere 500 Mio. Euro.

Spannend ist auch der Sortimentswandel. Wo früher Papier und Ordner das Kerngeschäft waren, sind heute längst andere Produkte dazugekommen: Kaffee und Obstkörbe fürs Büro, Hygieneartikel (verstärkt seit Corona), Arbeitsschutz und sogar Bohrmaschinen der Marke Makita. Soennecken denkt nicht mehr nur in Büros, sondern auch in Handwerksbetrieben und hybriden Arbeitswelten.

Agentic Programming: Warum Soennecken KI-Agenten in die Entwicklung lässt

Am Tag nach dem Gespräch mit Joubin Rahimi startete Claudia Lorenz’ Team das Kickoff für Agentic Programming. Das Ziel: KI-Agenten sollen die repetitiven Teile der Softwareentwicklung übernehmen. Alles, was wenig Spezialwissen erfordert, aber trotzdem Zeit frisst, soll automatisiert werden. Der Rahmen wird per Spezifikation beschrieben, die Agenten setzen um, und am Ende prüft das Team Qualität und Sicherheit.

Was dabei klar wird: Das eigentliche Asset von Soennecken ist nicht der Code. Es ist das Branchenwissen. Die Entwickler bei Soennecken verstehen nach dem dritten Wort, was die Fachabteilung braucht. Sie kennen die Prozesse rund um Genehmigungsverfahren, Zentralregulierung und Beschaffung aus dem Effeff. Dieses Wissen lässt sich nicht so einfach in einen Prompt gießen, und genau das macht den Unterschied.

Der erste Use Case: ein kleiner Agent, der Anwender des Procurement-Systems durch Genehmigungsverfahren führt. Klein anfangen, lernen, skalieren. Ein Ansatz, der typisch für den Mittelstand ist und funktioniert.

IT-Governance vs. Innovationsdrang: Warum IT-Leiter Spielverderber sein müssen

Claudia Lorenz ist erfrischend ehrlich über die Schattenseiten der KI-Revolution. Die Azure-Kosten steigen. Speicher wird teurer, weil KI ihn regelrecht auffrisst. Und der Tool-Wildwuchs ist real: Jeder im Unternehmen findet ein neues KI-Tool, baut sich eine Automatisierung, und nach einem halben Jahr weiß niemand mehr, was im Hintergrund läuft.   Als IT-Leiterin muss sie manchmal die Spielverderberin sein. Aber genau das gehört zur Rolle. Governance bedeutet nicht, Innovation zu verhindern. Es bedeutet, einen Rahmen zu schaffen, in dem Innovation passieren kann, ohne dass die Sicherheit leidet. Soennecken hat gerade die ISO 27001 Zertifizierung mit Sonderlob bestanden, und dieses Niveau will Claudia Lorenz nicht wieder aufgeben.   Dazu kommt ein Thema, das viele unterschätzen: Preistransparenz. Im Handelsgeschäft müssen Preise gegenüber Behörden nachvollziehbar sein. Wenn eine KI im Hintergrund Preisentscheidungen trifft, wie erklärst du das der Kartellbehörde? Diese regulatorischen Fragen sind noch ungeklärt, aber wegschieben ist keine Option mehr.

Agentic Commerce statt perfekter Suche: Den Zwischenschritt einfach überspringen?

Die vielleicht mutigste Aussage in der gesamten Folge kommt gegen Ende. Claudia Lorenz fragt sich, ob Soennecken den Weg über die perfekte Suche und die perfekte Artikeldate überhaupt noch gehen muss. Oder ob es smarter ist, diesen Zwischenschritt zu überspringen und direkt in Agentic Commerce zu investieren.

Die Logik dahinter ist bestechend: Wenn SAP-Kunden in wenigen Jahren ihre Einkäufe über KI-Agenten abwickeln und das MCP-Protokoll zum Standard wird, dann müssen Händler wie die Soennecken-Mitglieder in der Lage sein, diese Anfragen zu verstehen und zu bedienen. Wer dann erst anfängt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, ist zu spät.

Claudia ist ehrlich: Sie hat noch nicht alle Antworten. Aber sie hat das richtige Mindset. Und sie hat den Mut, den Status quo infrage zu stellen, statt sich an der Optimierung des Bestehenden festzuhalten.

"Das kann sich keiner mehr leisten" – Warum Abwarten im KI-Zeitalter toxisch ist

Es gibt eine Haltung, die in vielen Unternehmen tief verankert ist: abwarten, prüfen, nochmal prüfen, und dann vielleicht einen kleinen Schritt wagen. In Deutschland ist diese Vorsicht fast schon kulturell verankert. Claudia Lorenz hält dagegen: Wer sich das noch leisten will, hat schon verloren.

Ihr Ansatz: Machen. Aber mit Verantwortungsbewusstsein. So auf die Nase fallen, dass der Schaden überschaubar bleibt. Und dann daraus lernen. In drei Monaten kommt ohnehin der nächste Trend, also bringt es nichts, auf den perfekten Plan zu warten.

Ein Studienfreund von Claudia hat mit seinen Kunden gemeinsam eine KI eingeführt. Alles gut durchdacht. Aber in der Testversion hatten die Kunden bereits echte Daten eingegeben. Dann wurde gehackt. Datenschutzvorfall. Es zeigt: Perfekte Sicherheit gibt es nicht. Aber Sensibilität und ein bewusster Umgang mit Risiken machen den Unterschied.

Was IT-Entscheider aus diesem Gespräch mitnehmen können

Die Folge mit Claudia Lorenz ist keine Hochglanz-Erfolgsstory. Sie ist ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen einer Organisation, die sich mitten im Wandel befindet. Und genau das macht sie so wertvoll. Hier die wichtigsten Takeaways:

 

Prüfe deine öffentliche Dokumentation. Wenn ein Bot anhand deiner Doku deine Software nachbauen kann, hast du ein Problem. Nicht morgen, sondern jetzt.

Dein Asset ist das Branchenwissen, nicht der Code. KI kann Code schreiben. Aber sie kann nicht verstehen, warum dein Kunde bestimmte Genehmigungsprozesse braucht. Investiere in das Wissen deiner Teams.

Starte mit kleinen Agenten. Du brauchst keinen Master-Plan. Ein Agent, der Anwender durch einen Prozess führt, ist ein guter erster Schritt.

Governance ist kein Innovationskiller. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Innovation nachhaltig funktioniert. ISO 27001, klare Tool-Richtlinien und Kostenkontrolle sind keine Bremsen, sondern Leitplanken.

Trau dich, den Zwischenschritt zu überspringen. Nicht alles muss erst perfekt sein, bevor du den nächsten Schritt gehst. Manchmal ist es klüger, direkt dorthin zu springen, wo der Markt in drei Jahren sein wird.

Du möchtest dir die Folge in voller Länge anhören?
Hier findest du den Podcast des Interviews:

Du möchtest dir die Folge lieber ansehen? Kein Problem!
Hier findest du eine Aufzeichnung des Interviews:

Du möchtest lieber lesen? 

Hier ist der Inhalt:

Joubin Rahimi

Grandios, dass ihr wieder dabei seid zu einer neuen Folge von insights! Mein Name ist Joubin Joubin Rahimi und heute mit dabei auf der Couch Claudia Lorenz von Soennecken. Hi Claudia.

 

Claudia Lorenz

Hallo. Schön, dass ich hier bin.

 

Joubin Rahimi

Total gerne. Und das war mega spontan über den Post auf LinkedIn, wobei wir hatten uns morgens ja kurz gesehen und schwupp, können wir hier uns austauschen.

 

Claudia Lorenz

Genau, ich dachte, ich mache nur einen dummen Kommentar und schon sitze ich hier.

 

Joubin Rahimi

Das ist mein Ernst. Vielleicht magst du zwei, drei Sätze zu dir sagen, zu deiner Rolle, zu Soennecken.

 

Claudia Lorenz

Ja, genau, ich bin Claudia, ich bin bei Soennecken. Soennecken ist eine Bürohandelsgenossenschaft. Also wir haben so ungefähr 500 Bürohändler. Wir beschäftigen uns mit, wen wundert's, mit Bürohandel. Ich leite bei Soennecken die IT. Also bin jetzt gar nicht so die Marketing Expertin. Ich muss das nur oft ausbaden, was sich die Leute ausdenken. Ich komme selber aus der Softwareentwicklung und habe mal gedacht, Handeln wäre ganz einfach und habe mich eines Besseren belehren lassen

 

Joubin Rahimi

und ich glaube, du hast schon mal das Eis gebrochen. Ich darf das ausbaden, was sich andere denken. Marketing Sales, die haben dann immer wilde Ideen. Keine Governance. Einfach nur machen ist wahrscheinlich.

 

Claudia Lorenz

Das wäre super. Genau. Also wir sollen ganz schnell machen, aber danach soll stabil laufen.

 

Joubin Rahimi

Ich habe ja auch Softwareentwicklung betrieben, so wie du auch. Wir wissen, es geht halt nicht einfach so. Gehen wir erstmal auf Soennecken. Also ich habe mit euch das erste Mal Kontakt gehabt, als ich in mein Berufsleben eingestiegen bin. Die Flipcharts mit Soennecken. Sehr smart, also immer der Inbegriff. Aber was macht ihr genau? Ich glaube, nicht alle kennen euch wirklich.

 

Claudia Lorenz

Eine Frage. Gehörst du zu denen, die bei den Flipcharts die Rückseite nehmen, damit keine Linien drauf sind?

 

Joubin Rahimi

Ich nehme nur die Rückseite.

 

Claudia Lorenz

Wir müssen unser Logo auf die Rückseite drucken. Das war schon eine Überlegung, die wir hatten. Sonst habe ich deine Frage vergessen.

 

Joubin Rahimi

Ja, aber habt ihr da mal Studien gemacht, dass die meisten das umdrehen?

 

Claudia Lorenz

Ich sehe das in vielen Workshops, dass die Leute, also die Moderatoren drehen es immer um.

 

Joubin Rahimi

Das ist viel schöner wahrscheinlich. Die Frage ist, was macht Soennecken wirklich? Weil ihr seid ja kein Produzent von Papier, sondern ihr habt ja einen viel größeren Auftrag, den die meisten aber, glaube ich, gar nicht kennen.

 

Claudia Lorenz

Genau. Letzten Endes haben wir wirklich den Förderauftrag für unsere Mitglieder. Ich habe ja schon gesagt, das sind Bürohändler, da gehört also ganz viel dazu. Wir haben zum einen eine eigene Logistik, sind also Großhändler. Die Mitglieder können wir uns kaufen, können ihre eigene Logistik dafür abschaffen. Wir sind quasi ihre verlängerte Logistik. Wir stellen den Mitgliedern IT-Lösungen zur Verfügung und da reicht ja nicht der Shop. Da gibt es bei uns auch die Artikeldaten mit Bildern, mit allen Informationen, die man braucht. Natürlich danach die elektronische Abwicklung der Aufträge und es gibt noch so eine Art Bankenmodell, nennt sich Zentralregulierung oder für die SAPler Agenturgeschäft. Das heißt, wir zahlen die Rechnung der Lieferanten im Namen unserer Mitglieder und berechnen das dann weiter. Mehrere Stränge, die wir bedienen.

 

Joubin Rahimi

Wie viele Mitglieder habt ihr denn?

 

Claudia Lorenz

Wir haben 500 Mitglieder ungefähr. Ganz genau kann ich es nicht sagen, aber das geht vom kleinen Einzelhändler oder eine kleine Stadt ist kleinere Einzelhändler, die wir haben, bis hin zu großen Streckenhändlern, die ganze Bereiche wirklich im B2B mit Büromaterial zu versorgen.

 

Joubin Rahimi

und einfach nur um so ein Gefühl zu bekommen, ihr seid ja auch nicht vom Umsatz her klein. Ich weiß nicht, ob ihr die Zahl nach außen gebt oder nicht, aber es sind weit mehr als 50 Millionen.

 

Claudia Lorenz

Genau, ich bin schlecht im Umsatz merken. Der relevante Umsatz bei uns ist erstmal der im Großhandel, weil da ja wirklich Arbeit und produktiver Arbeit dahinter steht. Der liegt ungefähr bei 200 Millionen Euro und restlichen Geschäft im Zentralregulierungsgeschäft sind es glaube ich noch mal um die 500 Millionen Euro, wobei wir das ja nur durchreichen, was nicht direkt unser Umsatz ist.

 

Joubin Rahimi

Aber insofern, dass das alle schon mal wissen, ihr seid keine kleine Nummer, sondern da wird auch wirklich was gemacht.

 

Claudia Lorenz

Ja und IT bedeutet eben da auch wirklich sehr hier, weil Handelsgeschäft lohnt sich in dem Umfeld, gerade wenn wir klein sind. Wir verschicken Bleistifte, wir verschicken College Blöcke, da muss es möglichst perfekt digitalisiert funktionieren, sonst braucht es uns nicht.

 

Joubin Rahimi

Und ihr habt ja auch den Auftrag für die Händler dazu. Büroartikel wird da wahrscheinlich auch, Verändert sich Homeoffice mehr Remote, wie viel Papier, also wie viel wird noch gedruckt? Das verändert sich schon, oder?

 

Claudia Lorenz

Das ist ein guter Punkt. Ja, das verändert sich. Und zur Saison war und ist auch immer noch im Januar, weil sich dann viele Unternehmen traditionell mit Ordnern eingedeckt haben mit Papier. Wenn man das braucht, braucht man Locher, man braucht Heftstreifen, man braucht Trendblätter. Das geht natürlich stark zurück. Ich weiß nicht, wie viele Ordner du noch im Büro stehen hast. Ich habe keinen mehr. Und Post its alleine gleichen das nicht aus. Und das, was wir jetzt gucken, ist einfach, wie wir die Sortimente erweitern, weil die Büros entwickeln sich ja weiter, trotz Homeoffice. Viele Firmen fangen auch wieder an, mehr zurück ins Büro zu gehen und einfach zu schauen. Man braucht im Büro, man braucht Kaffee, man braucht Kekse, ganz wichtig Obstkörbe, die Büroeinrichtung natürlich und Hygiene ist dazugekommen, auch verstärkt in der Corona Zeit, aber ist dazu gekommen. Inzwischen gibt es auch Arbeitsschutz bei uns oder Markita Bohrmaschinen. Also wir sind da inzwischen sehr breit und gucken auch nicht mehr nur noch auf Büros, sondern eben auch auf kleinere Handwerksbetriebe.

 

Joubin Rahimi

Und für die IT. Ihr macht ja Software dann auch für die Mitglieder oder die Mitglieder können die Software ja nutzen, die ihr zur Verfügung stellt. Wie siehst du da den Softwareentwicklungsprozess? Also was verändert sich dort in dem Zuge

 

Claudia Lorenz

im Moment gerade sehr viel.

 

Joubin Rahimi

Also morgen hat uns jetzt wie darf man sagen, ohne dass man jemanden erschreckt?

 

Claudia Lorenz

Ja, wir haben uns selber erschrocken. Wir hatten nämlich für unser Procurement System die Dokumentation im Internet stehen, damit alle Mitglieder, alle Händler, alle Kunden da immer nachschauen können und haben dann jetzt mal einen dieser bekannten Bots drüber laufen lassen und unseren so Procure programmieren lassen. Und der war gar nicht so weit weg. Deswegen haben wir jetzt erstmal die Dokumentation aus dem Netz genommen, weil da ist wirklich sehr viel Spezialbeschaffungswissen rund um Büromaterial, wie Banken das machen mit Genehmigungsverfahren und ähnlichem drin. Das haben wir also jetzt mal doch ein Stück für uns gesichert. Und bei uns geht es gerade los. Also wir sind gar nicht so viele in der Entwicklung, die profitieren davon, dass wir sehr lange, sehr stabile Kundenbeziehungen haben mit unseren Händlern. Und auch das Entwicklungsteam bei uns, das sind Kollegen, die Soennecken schon sehr lange kennen, denen muss man zum Bürohandel auch nichts mehr erklären. Die verstehen die Anforderungen der Fachabteilung nach dem dritten Wort. Das Schwierige ist dann immer auf neue Ideen zu kommen, wenn man in diesem Umfeld ist, wenn man immer mit den Kollegen so zusammenarbeitet. Und den Switch bekommen wir aber gerade gut hin, jetzt ist wirklich morgen der Kick off, dass Sie anfangen sich mit Agentic Programming zu beschäftigen. Einer hat das alles ausgearbeitet und wir fangen jetzt an und wollen wirklich rundherum Agenten aufbauen, mit einem kleinen Testballon starten für unser Procurement System, dass es einen kleinen Agenten gibt, der den Anwendern zum Beispiel durch Genehmigungsverfahren hilft.

 

Joubin Rahimi

Erstmal total spannend anhand der Doku rückwärts zu engineeren.

 

Claudia Lorenz

Geht nicht mehr, wir haben es rausgenommen.

 

Joubin Rahimi

Genau, aber für alle anderen, wenn ihr eure Doku draußen habt oder Ariba nachzuprogrammieren.

 

Claudia Lorenz

Ich  weiß nicht, wo die Grenzen sind, aber wir waren auf unser System wirklich stolz und der war wirklich sehr. Also erstmal im ersten Funktionsumfang, wir haben jetzt nichts zur Architektur, das haben wir alles nicht gemacht. Wir haben es quasi relativ simpel reingekippt, aber das Ergebnis hat uns erschrocken.

 

Joubin Rahimi

Insofern, Hallo SAP, hallo Salesforce. Was macht ihr mit der Doku? Nehmt Chatbots und keine Handbücher mehr mit Agentic. Du meinst damit nicht, Agentic ist ein großer Themenbereich. Ich frag mal offen, welchen bearbeitet ihr jetzt erstmal ab morgen, wo ihr gesagt habt, das Kickoff, Dann bist du morgen auch gar nicht hier auf dem ECC FORUM

 

Claudia Lorenz

deswegen bin ich morgen nicht hier. Aber wir haben das Kick Off. Wir haben ja erst das Kickoff, wir bearbeiten noch nichts. Aber unsere Vorstellung ist schon, dass man alles außen herum, was sonst relativ stupide Entwicklungsarbeit ist, was gar nicht so viel Spezialwissen braucht, weil das Spezialwissen ist unser Asset. Meine IT braucht es nur, wenn wir Soennecken verstehen, sonst kann man es outsourcen. Also unser Asset ist genau das Branchenwissen, das Kennen der Kollegen der Fachbereiche. Was wir aber lernen werden und müssen, ist das über Specs zu beschreiben, also wirklich Spezifikation zu beschreiben, die dann in der Lage ist, Softwareteile zu entwickeln, den Rahmen zu schaffen und am Ende natürlich wieder KI zu testen. Wir wollen aber überall die Hoheit behalten, gerade IT Security, ganz wichtiges Thema. Wir haben die ISO 27001 gerade mit Sonderlob geschafft, das wollen wir auch nicht wieder hergeben. Insofern ist so unser Bild, dass es viele kleine Agenten drumherum gibt, aber der Kern der Entwicklung dann trotzdem von uns qualitätsgesichert und abgesichert ist. Wie wir es machen müssen wir alle noch nicht. Wir werden es lernen.

 

Joubin Rahimi

Hauptsache wir hatten ja schon einige Gespräche hier und alle, die sich damit beschäftigt haben, haben gesagt, einfach mal machen, Schritt nach vorne gehen. Die Mutterfirma ist der Time to Act. Das entspricht total dem, wie wir denken.

 

Claudia Lorenz

Man kann es sowieso nicht planen, weil in drei Monaten kommt ja schon der nächste Trend.

 

Joubin Rahimi

Und das war also heute Morgen habe ich Perplexity noch mal aufgerufen. Bei Perplexity hat er jetzt so eine neue Variante rausgebracht. Du kannst jetzt Perplexity beispielsweise sagen, bitte erstelle einmal die Woche eine SEO Analyse von meiner Webseite und den Competitor Webseiten mit Handlungsempfehlungen, was wir tun sollen und verschicke diese jede Woche an mich und an die drei Kollegen. Das sind die E Mail Adressen. Der baut ja auch quasi den Agenten, also N8N und wie sie alle heißer sind, zack weg. Muss ich mich auch nicht mehr beschäftigen.

 

Claudia Lorenz

Man muss das alles irgendwie noch organisieren. Ich war vor zwei Wochen auf der KI Roadshow von Microsoft und wir stellen gerade um von der Data Factory von Microsoft auf Fabrik, wo dann zukünftig wahrscheinlich die Kollegen ihre Analyseabfragen per Sprache, per Prompts reingeben können. Hat aber dann auch den Vorteil, dass man wirklich Data Agents bauen kann und wo ich ich komme ja ursprünglich aus der Zeit, relationale Datenbanken, super normalisierte Modelle, ist vielleicht nicht so, aber das war so auch im Studium mit das Wichtigste. Und Microsoft wird es auch ermöglichen, zwischen den Daten eine Ontologie zu bebauen, Also dass die Daten weiß, wie die KI weiß, wie bei uns die Daten zusammenhängen, damit der Fragen besser beantworten kann. Ich hätte gerade richtig Lust zum Spielen. Ich weiß aber, ich würde mich da drin verlieren und im halben Jahr wieder auftauchen.

 

Joubin Rahimi

Muss man nicht ein bisschen spielen gerade? Muss man das nicht machen oder

 

Claudia Lorenz

das auf jeden Fall.

 

Joubin Rahimi

Also abends, wenn ich dann noch mal was sehe, ja, ich bin so ein Insta User und wenn ich da so ein Feed habe bei Perplexity genauso. Probier das einfach mal direkt aus. Der Hammer ist, 267 Dollar oder Euro, weiß ich jetzt gar nicht, kostet dann die Lizenz, die du dafür brauchst pro Monat. Also von ChatGPT bei 200 angefangen 267 Euro schon ordentlich.

 

Claudia Lorenz

Also aus IT Leiter Sicht, wenn ich aus der internen IT gucke, ist das natürlich alles schon ganz schön katastrophal.

 

Joubin Rahimi

Total.

 

Claudia Lorenz

Die Azure Kosten steigen also bei uns, wir sind sehr auf Microsoft ausgerichtet, weil ich verspreche mir, auch, dass Microsoft mit den neuen Plänen, die sie haben, hinsichtlich digitaler Souveränität, uns vielleicht doch helfen, obwohl es Microsoft ist, diese Sicherheit herzustellen. Aber die Kosten sind nicht immer gut abschätzbar. Aber letztlich ist das, muss man das organisieren. Speicher wird auch teuer, hört man auch. Also genau, die KI nimmt ja gerade den Speicher weg.

 

Joubin Rahimi

Das sehe ich auf den Rechnungen schon.

 

Claudia Lorenz

Genau. Und worauf wollte ich hinaus, was aber wirklich schwer zu managen ist, ist dieser Wildwuchs. Also lässt du dir vielleicht irgendwas Schönes einfallen, irgendwas im Hintergrund automatisch funktioniert, dann bist du mal nicht mehr da und nach einem halben Jahr passiert irgendwas nicht mehr. Da bieten die Anbieter natürlich auch die Möglichkeiten. Aber man muss dann schon mal aus IT Leitungssicht und Governance die Menge der Tröst einschränken und dann ist man Spielverderber. Aber das gehört zur Rolle dazu.

 

Joubin Rahimi

Das ist spannend, weil die Diskussion haben wir natürlich auch. Wer nutzt welche Lizenzen, welche können wir auch wieder abschalten, weil du ChatGPT dann gar nicht mehr nutzt oder ein anderes Modell hast, wo auch ChatGPT drin ist, so ein Langdoc oder you name it oder Anti Gravity und dann hast du da auch die Modelle drin. Aber es ändert sich ja so wahnsinnig viel. Und wir haben wenn du einen Prozess hast, der so normal ist, ich habe eine Anforderung, möchte es ein Tooling ausprobieren, was vielleicht noch nicht da ist und gebe das in die IT rein, die das erstmal prüft und testet und dann in die Prozesse geht, ist es auch DSGVO, müssen es auf die Liste packen, dann sage dann ist das nächste Tool schon da und dann haben wir nichts gemacht. Wie gehst du damit um?

 

Claudia Lorenz

Das ist wirklich die Herausforderung. Also dieses Spagat zu halten. Man kann erstmal probieren. Da sind wir in der IT ja selber auch sehr gut drin, irgendwas mal auszuprobieren und nicht zu Ende zu bringen. Aber irgendwann muss man genauer hinschauen. Wir hatten ich habe einen Kollegen oder Studienfreund, die haben eine KI für ihre Kunden eingeführt, zusammen gemacht, sich alles gut überlegt, die haben sich Gemeinschaft finanziell daran beteiligt und das ist gehackt worden. Es war erst in der Testversion. Trotzdem hatten seine Kunden schon echte Kundendaten genutzt und schon hat man den ersten Datenschutzvorfall und man wird es nie ganz im Griff haben. Aber man sollte an den richtigen Stellen hinschauen, nicht übertreiben, weil nicht jede Date ist wirklich so schützenswert, dass man da lange Diskussionen führen muss, aber Blick darauf haben. Und ich glaube am wichtigsten ist, dass alle die Sensibilität haben, da passiert auch nicht so viel. Aber man muss es in irgendeiner Sicht absichern, weil im Zweifel so ganz simpel, wenn die Behörden irgendwann nachvollziehen wollen, wie die Preise entstanden sind, sind Stand heute noch ein Heiligtum, muss möglich sein. Wie erkläre ich denen, was die KI sich im Hintergrund gedacht hat?

 

Joubin Rahimi

Da kenne ich euer Geschäft nicht. Wir müssen unsere Preise zum Glück nicht erklären, aber ihr habt wahrscheinlich die Kartellbehörden.

 

Claudia Lorenz

Es ist wirklich ein Thema eigentlich, wenn es nach der. Ich verwechsel das immer gobd, glaube ich. Also alles, was man archivieren muss, ist eben zum Teil auch die Herleitung der Preise, wenn man sie so herleitet wie wir. Und dann wird es kann sein, dass das im Handel anders ist, als wenn man IT Lizenzen verkauft. Aber es gibt schon Themen, die sind auch einfach noch unklar. Und da neigen wir ja in Deutschland bekannterweise dann dazu, lieber erstmal nichts zu machen. Und ich glaube, das kann sich aber keiner mehr leisten. das ist vorbei. Also egal wo, auch hier in den Räumen, dann haben wir keine Chance.

 

Joubin Rahimi

Es ist auch immer einfacher zu sagen, das funktioniert nicht, weil ich glaube nicht, dass. Weil du machst dann ja nie was falsch, weil du machst ja nichts. Einmal machen.

 

Claudia Lorenz

Genau, mal machen, vielleicht auch mal auf die Nase fallen mit so viel Verantwortungsbewusstsein, dass das auf die Nase fallen kein großer Schaden wird und dann ist das, glaube ich, in Ordnung.

 

Joubin Rahimi

Ja, mal beim Agentic haben wir darüber gesprochen. Was macht aber auch das Thema Agentic Protokoll, Agentic Commerce? Ist das was für eure Händler oder ist das noch viel zu früh?

 

Claudia Lorenz

Ich weiß es auch nicht. Ich bin da gerade so ein bisschen mit der IT Leiterin Brille, weil im Moment streitet man sich ja manchmal noch über eine Artikeldate. Wir haben immer noch kleine Probleme, wie die Mengeneinheit Stück lässt sich nicht in Pack umrechnen. Also wir haben eigentlich sehr gute Daten, aber ab und zu hat man wieder diese Ecken. Der Lieferant schickt es ja anders. Das hängt ja immer noch an Kleinigkeiten und auch die Suche in unserem Shop ist nicht an allen Stellen perfekt. Anlass zur Kritik. Und meine Überlegung ist, ob wir jetzt nicht einfach, ich sag mal, die super perfekte Suche, die super perfekte Date überspringen und uns lieber damit beschäftigen. Wie sieht es in drei Jahren aus und was brauchen unsere Händler, damit sie Anforderungen aus dem Agentic Commerce annehmen können, wenn die SAP Kunden alle ihre Einkaufssachen nur noch über diesen Weg machen. Ich habe da viel zu wenig Ahnung, wie das aussehen wird. Ich freue mich, dass ich das Wort MCP Protokoll inzwischen kenne. Wir sind also schon noch ein bisschen hinterher, aber das wird genau das, womit wir uns beschäftigen sollen, dass wir vielleicht aus Wir sind jetzt im E Commerce nicht perfekt den Sprung nach vorn machen, haben vielleicht gute Ideen für B2B und Agentic Commerce.

 

Joubin Rahimi

ihr habt schon einiges. Ich finde auch im Vergleich zu anderen Firmen macht ihr eine Menge. Auch in dem Zuge würde ich gar nicht euer Licht unter dem Scheffel sehen. Überhaupt nicht.

 

Claudia Lorenz

Das stimmt. Aber ich möchte gerne dieses nach vorne, also wieder ganz an die Spitze, weil mit den procurementsystem waren wir 2002 ganz vorn. Es ist immer noch sehr gut, es ist immer noch gefragt. Das heißt ja, es hält vielleicht in Zukunft Nicht mehr für 20 Jahre, aber wenn man ganz vorne ist, hat man erstmal wieder eine gute Position und da möchte ich gerne wieder hin.

 

Joubin Rahimi

Ich finde das ein super Abschluss mit dem Anspruch. Wir hatten auch jemand anderen hier, den Bastian Siebers von Flaconi. Er meint auch wenn ich den Standard setze, nächstes Jahr der Standard will nach vorne und das finde ich mega. Danke und nochmal danke für die Insights. Keine Doku ins Netz. Dann reverse die Software Engineer. IBM hat ganz viel Software im Netz, frei zugänglich oder Open Source Software. Genau.

 

Claudia Lorenz

Und wenn man den Agenten aber ins Netz stellt, dann sollte man auch sicherstellen, dass er nicht den falschen Leuten antwortet.

 

Joubin Rahimi

Letzte Anekdote. Mich hat ein Agent jetzt mal angerufen gehabt, es hat jetzt aber auch wieder abgenommen und dann das erste Mal habe ich einfach nur weggeklickt. Beim zweiten Mal habe ich dann einmal gefragt, wen hast du denn vorher angerufen? Hat er mir gesagt, was war Inhalt des Gesprächs? Hat es mir gesagt, habe ich aufgelegt und die Firma angerufen. Das ist echt blöd, was ihr da draußen habt.

 

Claudia Lorenz

Das stimmt. Du hast es gemerkt.

 

Joubin Rahimi

Ja genau. Aber das erste Mal habe ich es einfach nur Weg. Wie nervig. Das zweite Mal. Ich will es mal probieren Und es war so ein Lucky Punch. Ich glaube, das haben die selber gemacht. Insofern danke für die Zeit, danke für die Insights und wir sehen uns dann ja auch schon in einem Monat, sechs, sieben Wochen auf der Bühne der Insights.

 

Claudia Lorenz

Genau. Super. Dankeschön.

 

Joubin Rahimi

Gerne. Danke.

 

Claudia Lorenz

Dankeschön.

Du hast Fragen oder Feedback?

Dann kontaktiere uns gerne direkt.

Joubin Rahimi
Managing Partner synaigy GmbH

Vertiefe dein Wissen mit uns

Jetzt Blog abonnieren und keine News mehr verpassen

✔️kostenlos ✔️jede Woche News ✔️Expertenwissen