Joubin Rahimi
Grandios, dass ihr wieder dabei seid zu einer neuen Folge von insights! Mein Name ist Joubin, Joubin Rahimi und heute mit Hendrik Müller von Thalia. Hi Hendrik.
Hendrik Müller
Hallo Joubin.
Joubin Rahimi
Es ist mir ein richtiges Fest, dass du dabei bist, weil ich bin Thalia Fanboy. Erzähle ich auch gleich warum. Aber vielleicht magst du zwei, drei Sätze zu dir, deiner Rolle sagen und dann steigen wir ins Thema ein.
Hendrik Müller
Ja, total gerne. Also erstmal vielen Dank, dass ich hier sein darf. Total schöne Möglichkeit. Ich bin bei Thalia Director Customer und Commerce, halt eben insbesondere für das E Commerce Geschäft verantwortlich. Alles rund um den Sales Kanal, alles rund um das digitale Marketing, auch Loyalty und Social Media gehört halt eben dazu. Parallel auch für das digitale Produkt, also unsere Softwareentwicklung, die wir bei uns betreiben, für alle digitalen Touchpoints, aber auch für die Omnichannel Services. Und relativ neu ist halt eben auch noch der Service, weil der Service auch immer mehr zum Verkaufskanal wird und immer tiefer auch in die Wertschöpfungskette reingeht. Das ist jetzt auch mein neuestes Hobby, was ich habe, das auch noch mit zu verantworten, mit zu entwickeln.
Joubin Rahimi
Und ich freue mich richtig bei Thalia, weil alle, die so ein bisschen die Historie der synaigy mitbekommen haben. Einer unserer ersten Kunden war die WBG. Also es war ein Verein, eigentlich total schön ein Verein, um Bücher, die ja während der Nazizeit verbrannt worden sind, dann wieder zu drucken. Aber die Menschen haben gesagt: Ich will das Buch haben und haben sich tausend zusammengeschossen und wurde es ja gedruckt. Ich fand ein sehr schöner Gedanke dazu war einer unserer ersten Kunden und unsere Kinder lieben Thalia. Die sind Kölner und die lieben auch den Remscheider Thalia. Das ist ganz anders. Kölner, die sind auch locker eine Stunde drin und die gehen, also wir sagen, die dürfen alle Bücher haben, die sie haben wollen. Wir kaufen immer Bücher, nie Taschengeld und die lieben das, gehen immer mit ein, zwei Büchern raus.
Hendrik Müller
Genau das ist das Ziel, was wir halt eben auch haben. Also letzten Endes kann man das an Kindern auch gut festmachen. Bei dir haben wir dann Volltreffer gelandet, weil jedes Kind, was an Thalia vorbeigeht, soll nicht vorbeigehen, sondern soll auf jeden Fall in die Buchhandlung kommen. Dafür machen wir halt eben genau viel, dass wir Aufenthaltsqualität schaffen, dass wir Lese und Lernecken haben, dass wir auch viele Kooperationen versuchen mit Schulen und co aufzubauen. Dieses Lesen auch gerade bei Kindern auch spielerisch gerne im Zusammenhang mit Spielzeug einfach wieder hochzuheben und genau das ist das, was wir schaffen wollen. Stationäre Aufenthaltsqualität und ich glaube Köln hier am Neumarkt ist da tatsächlich ein sehr, sehr gutes Beispiel dafür.
Joubin Rahimi
und das ist ja gar nicht einfach. Mit Amazon hat sich ja ganz viel verändert im Buchmarkt. Die ganzen Buchläden sind wegdiffundiert und ihr nicht. Ihr habt es online geschafft und stationär geschafft. Was ist euer Geheimnis gewesen? Weil jetzt die Welt verändert sich ja so schnell. Aber was ist euer Geheimnis gewesen?
Hendrik Müller
Tatsächlich sind wir schon stolz darauf, dass wir den Markt auch ausperformt haben und selbst gegenüber Amazon eben nicht nur Marktanteile zurückgewonnen haben, son eben auch wirklich Marktführer sind im deutschen Markt. Was ist das Geheimnis? Ich glaube, es liegt tatsächlich in einem sehr ehrlichen und sehr strukturierten Omnichannel Ansatz. Das heißt, dass viele das halt immer recht kritisch sehen für uns ist das aber halt eben irgendwo nicht nur ein Wort, was geschrieben steht, sondern wir leben das tatsächlich und das siehst du halt immer bei Service wie der Filialabholung, Click & Collect, wo wir es dem Kunden freistellen, ob er Click & Reserve machen will und vielleicht eher noch den Plausch mit dem Mitarbeiter haben möchte beim Abholen oder wenn er auf der anderen Seite eher der Suchkunde, der Zielkunde ist, der abholen will, eben auch die Möglichkeit zu geben, dieses Buch letzten Endes über einen Locker abzuholen, der vor der Buchhandlung steht. Das sind so unterschiedliche Modelle, die wir da eben sehen und letzten Endes geht es für uns auch darum, diese Buchhändlerkompetenz, also nicht einfach nur algorithmische Verknüpfungen, sondern gleichzeitig eben auch intellektuelle Verknüpfung, Erfahrungsverknüpfung von unseren Buchhändlern auch zu digitalisieren und das dann halt eben auch wieder unseren digitalen Kunden.
Joubin Rahimi
Nehmen wir mal die Kölner Filiale, die mit dem Café und den Räumen, den Aufenthaltsräumen oder hast nicht Aufenthaltsräume genannt?
Hendrik Müller
Das sind keine Aufenthaltsräume, sondern Flächen, die auch zum Verweilen anregen.
Joubin Rahimi
Könnt ihr oder habt ihr es gemessen, wie das auch Omnichannel einzahlt? Also sind dann die Kölner Affiner bei Thalia auch online zu kaufen?
Hendrik Müller
Ist tatsächlich eine ganz spannende Frage.
Joubin Rahimi
Es wäre zu messen.
Hendrik Müller
Wie gesagt, man könnte ja sagen, die Wahrheit liegt für einen E Commerce Verantwortlichen nur im Digitalen. Das ist tatsächlich anders ist genau halt eben Anders. Jede Öffnung, die wir irgendwo haben, jede neue Buchhandlung, die wir haben, hebt halt eben auch automatisch meinen E Commerce Umsatz in der Region um. Das kann man ruhig sagen, halt eben mehr als 10, knapp weniger als 20 Prozent. Das ist halt eben schon mal ein einfaches einfach Setup, was ich halt eben habe. Und dadurch, dass wir, und das bei uns tatsächlich auch kein geflügeltes Wort, das Thema Omnichannel halt eben, sobald wir den Kunden halt eben auch in beiden Kanälen spielen, schaffen wir es häufig, Share of Wallet zu steigern, ein Cross Selling, Upselling irgendwo noch hinzubekommen, den Kunden also letzten Endes auch nicht nur mehr Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern eben auch mit Mehrwertservices und mit guten Preisen, mit guter Beratung halt eben auch zu beglücken. Das ist zumindest das Ziel.
Joubin Rahimi
Und du hattest vorhin auch von der Community gesprochen, das ist ja kein Wort, also nicht nur ein Wort, sondern ihr habt ja einen ganz anderen Auftrag. Also führ uns daran. Ich will nicht das wiedergeben, was ich gerade gelernt habe, das kannst du viel besser sagen.
Hendrik Müller
Das, was wir gesehen haben, ist, dass ein Social Media Kanal uns eine neue Zielgruppe zurückgegeben hat, wo wir uns lange Jahre die Zähne ausgebissen haben. Also genau Diese Zielgruppe zwischen 12, 14 bis 29 war halt eben wirklich ganz, ganz schwer zu tacklen. Und TikTok, Booktalk, Booktok hat es tatsächlich geschafft, da so viel Bewegung reinzubringen und auch diese digitale Welt, das haben wir dann halt eben geschafft, das auch ins Analoge zu übersetzen. Sprich, diese vermeintlich digitale Zielgruppe kauft analoge, also gedruckte Bücher und das am liebsten auch stationär. Für uns halt eben ein Riesenthema und Community letzten Endes heißt aber ja füri
Joubin Rahimi
ich hake da nochmal ein, meine Kinder lesen keine Bücher digital.
Hendrik Müller
Keine digital.
Joubin Rahimi
Ja, das ist absolut Bücher rein physisch.
Hendrik Müller
Und da gibt es ja die schönen Farbschnitte mittlerweile oder die signierten Bücher oder ähnliches. Das sind für uns halt eben wirklich Raritäten, die halt eben auch eine extrem hohe Nachfrage haben. Also ich weiß nicht, ob das kennst, aber diese Farbschnitte möglicherweise deine Kinder stehen da auch drauf. Das ist tatsächlich dann der heiße Scheiß. Da gehen die halt eben wirklich gerne für in die Stadt, verbringen halt eben mehrere Stunden in der Buchhandlung und auch noch mal gesagt, die Social Media Cubes, die wir zum Beispiel auch in Köln eben stehen haben, werden dann halt eben auch genutzt, um halt eben ihren Kauf, den man gerade getätigt hat, halt eben auch mit der eigenen Fanbase irgendwo zu teilen. Also für uns ist das eben ein totaler Win Win. Und um einmal auf die Community zurückzukommen, wir spielen das natürlich auch stark über die externen Communities, brauchen wir uns nicht viel vormachen, aber genau das ist das Ziel, den Kunden auch zu uns zu holen, letzten Endes von der Inspiration über den Kauf, über den Nutzen, Lesen, Hören, alles bei uns in der Thalia App zu haben. Und auf der anderen Seite mit Book Circle bauen wir gerade eine Community auf. Wir haben schon viel pilotiert, auch im vorletzten Jahr eben schon mal in Hamburg eine kleine Community aufgebaut, immer in der Kombination digital und analog, also auch Events in der Filiale durchgeführt mit Merch, diese ganze Community regional irgendwie angefüttert. Und der Zuspruch, der war unfassbar. Also wir haben solche Zuläufe in dieser Zeit gehabt, sicherlich immer für ein Genre, was dann eben gerade in dem Moment auch trendet. Aber das ist für uns sicherlich eines der Ziele der Zukunft, eine eigene Community zu haben, aufzubauen und letzten Endes unsere Leserinnen und Leser in dieser Community auch in den Austausch zu bringen.
Joubin Rahimi
Die bauen hier gerade ab. Und ihr geht ja, das ist ja die jüngere Zielgruppe, die ihr adressiert, also gar nicht mal die Älteren, wo man sagt, die lesen so oder so, die sind es gewohnt, ihr adressiert ja die Jüngeren und die Wette geht auf, habe ich das Gefühl, so wie du es formulierst. Jetzt habt ihr ja noch eine neue Wette drauf, also Spielzeuge, also die Erfahrung, unsere Kinder sind ja gleich alt und wenn dann halt irgendwie andere Geburtstag haben, wo gehen sie denn hin, um Spielzeuge zu kaufen, wenn es nicht online ist? Weil es gibt ja kaum noch Läden überhaupt irgendwo in der Innenstadt.
Hendrik Müller
Und das ist, glaube ich, das große Problem. Gerade im Spielzeugbereich ist es so, dass ganz viele Händler halt eben aus der Innenstadt verschwinden. Und genau da wollen wir hingehen. Wir sehen halt eben eine super Symbiose zwischen dem Buch Kinderbuch und auf der anderen Seite dem Spielzeug. Und genau das wollen wir noch stärker zusammendenken, diese beiden Sortimente und haben deswegen ja die Spielzeit auch begründet. Das erste Geschäft hat schon eröffnet in Lüdenscheid und 40 weitere Geschäfte jetzt im Umbau befinden sich in den nächsten Monaten und Jahren, dass wir die halt eben auch umbauen und letzten Endes geht es genau wie du es gerade sagst, auch um Faszination, auch um genau dieses Online und Offline Denken, das Omnichannel Denken, das halt eben auch für Spielzeug greifbar zu machen. Und der Erfolg bisher gibt uns auf jeden Fall recht, eine Aufenthaltsqualität auch da zu schaffen. Wir sehen viele faszinierte Augen bei den Kindern, viele Kinder, die gerne zu uns kommen und auf der anderen Seite dann aber auch eine gute Kompetenz fürs nächste richtige Geschenk. Das kann ich vielleicht auch noch sagen. Die Geschenkboxen, ich weiß nicht, ob du die kennst. Ein Kind hat Kindergeburtstag und letzten Endes wird so eine Geschenkbox halt eben erstellen und die eingeladenen Gäste kommen mal eben und selektieren sich die einzelnen Artikel raus. Funktioniert mega, muss man wirklich sagen. Funktioniert riesig. Tolle Geschichte.
Joubin Rahimi
Spielzeit richtet sich ja nicht an die Eltern, sondern eigentlich an die Kinder. Eltern auch.
Hendrik Müller
Ja, in der Tat ist Fokus bei Spielzeit eher auf die Kinder. Das ist in der Tat richtig und
Joubin Rahimi
das ist doch mega smart. Also ich überlege, die Kinder unterscheiden doch nicht zwischen ich spiele oder ich lese. Die haben Spaß und das ist dann egal ob Spiel oder lesen oder es ist dann ich lese was und spiele dann die Sachen.
Hendrik Müller
Und diese Kreativität aus Lesen lässt sich häufig auch gut ins Spiel halt eben übersetzen. Wenn wir das halt eben einfach nur schaffen, dass wir vielleicht auch eine gute, wertvolle Alternative zum Zocken einer PlayStation oder sonstiges anbieten können, dann haben wir tatsächlich viel geschafft
Joubin Rahimi
und das ist auch, glaube ich, für die Zuhörer, ich will es noch mal rauspicken, an diese Zielgruppe zu denken und zu denken, wie diese Zielgruppe denkt. Das ein Hammer gutes Beispiel dafür.
Hendrik Müller
Danke.
Joubin Rahimi
Ja, wir beobachten das weiter. Ich glaube, das wird hier noch gleich wilder mit dem Abbau und ich will einladen, dass wir einmal noch mal in Ruhe einen zweiten Take machen, wenn du Zeit und Lust hast. Ich glaube, da können wir viel tiefer eintauchen.
Hendrik Müller
Das machen wir gerne.
Joubin Rahimi
Danke für die Zeit und dann erstmal viel Erfolg mit Spielzeit und allen anderen, was ihr macht.
Hendrik Müller
Dankeschön.